Konsumblog.de

Konsum, Alltag und Globalisierung

Archiv: Januar 2007

Kampf dem Klimagas

31.01.07 um 15:22 von Ralph

Montag, 19. Februar um 19:30 Uhr ZDFdokukanal.

Die Mehrheit der Klimaforscher geht davon aus, dass die Erderwärmung ihren Grund in einem höheren Eintrag von Treibhausgasen, vor allem Kohlendioxyd, in die Atmosphäre hat. Auf dem Weltklimagipfel in Kyoto wurde auf Grundlage dieser Einschätzung das Kyoto-Protokoll ausgehandelt, nach dem sich die internationale Staatengemeinschaft mit Ausnahme der USA dazu verpflichtet hat, den Ausstoß der Treibhausgase zu verringern. Damit wurde das Geschäft beziehungsweise der Handel mit der CO2-Reduktion eingeleitet. Denn das wichtigste Instrument bei dieser Verfahrensweise sind so genannte „CO2-Zertifikate“, die für Projekte erteilt werden, die Treibhausgase reduzieren oder absorbieren. Diese Zertifikate können Industrienationen kaufen, um nachzuweisen, dass sie ihre Verpflichtungen erfüllt haben. Großbanken sind bereits in das Klima-Business eingestiegen, finanzieren Klimaprojekte und versprechen sich ein Milliarden-Dollar-Geschäft. Technische und wissenschaftliche Institute und Forschungseinrichtungen, die sich zunehmend selbst finanzieren müssen, arbeiten fieberhaft an klimarelevanter Forschung. So wird auf der einen Seite versucht, den CO2-Ausstoß zu verringern. Auf der anderen Seite arbeiten Wissenschaftler daran, künstlich Effekte zu schaffen, die genauso wirken, wie natürliche „Kohlenstoff-Senken“, die Kohlendioxyd binden und so der Atmosphäre entziehen – zum Beispiel Wald. Die Dokumentation stellt Konzepte vor, mit denen man in Deutschland zukünftig die Treibhausgase unschädlich machen möchte.

1 Kommentar . Trackbacken . Thema: Klimawandel

Beringia – Klimaalarm in der Arktis

31.01.07 um 15:20 von Ralph

Samstag, 10. Februar um 13:45 Uhr im NDR.

Steht die Erde vor einem Klimakollaps? Dass sich das Klima schon seit längerem wandelt, steht für die Wissenschaftler fest. Sind diese Wandlungen fixer Bestandteil der Erdgeschichte? Steht die Erde vor einem Klimakollaps? Dass sich das Klima schon seit längerem wandelt, steht für die Wissenschaftler fest. Sind diese Wandlungen fixer Bestandteil der Erdgeschichte? Der labile Lebensraum Arktis hat auf Klimaänderungen immer schon spektakulär reagiert. Die beiden Wissenschafter Gero Hillmer aus Deutschland und Sepp Friedhuber aus Österreich begeben sich für diesen Film auf eine Expedition nach Spitzbergen, Alaska und Sibirien. In den Regionen der versunkenen Landbrücke Beringia zwischen Alter und Neuer Welt zeigt sich die Klimageschichte unserer Erde am deutlichsten. Während der Eiszeit sank der Meeresspiegel um 90 Meter und die Beringstraße war eine begehbare Landbrücke zwischen Alaska uns Sibirien, über die Mammuts und Säbelzahntiger, aber auch die „ersten Amerikaner“ nach Alaska kamen. Erst vor 9000 Jahren begann Beringia, das „Atlantis des Nordens“, wieder im Meer zu versinken. Heute steht die Region wieder vor einer dramatischen Entwicklung – in nur zehn Jahren ist die Temperatur um zwei Grad gestiegen, die Treibeisgrenzen verschieben sich immer rascher nach Norden. Wie wird sich das Leben der hier ansässigen Menschen verändern? Was heißt das für die Tier- und Planzenwelt? Die beiden Wissenschafter suchen die Antworten auf diese Fragen.

. Trackbacken . Thema: Klimawandel

Schaffen wir den Klimawandel?

30.01.07 um 14:49 von Ralph

Niemand kann hellsehen, aber ich frage Euch, wie pessimistisch oder optimistisch Ihr seid, wenn Ihr an den Klimawandel denkt. Schaffen wir den Klimawandel oder bremsen wir ihn? Tatsächlich gibt es immer noch Behörden wie die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe“ (BGR), die dem Wirtschaftsministerium unter Michael Glos untersteht und die mit einem Budget von rund 50 Millionen Euro den „Klimaskeptikern“ unter die Arme greift. Den gemeinsamen Nenner der Leugner fasst Bernhard Pötter in dem Artikel Die amtliche Lüge vom prima Klima zusammen:

Die Mehrheit muss in der Wissenschaft nicht recht haben“, meint Georg Delisle. Das ist auch der Tenor der gesamten Szene von „Klimaskeptikern“ in Deutschland. Eine kleine, aber lautstarke Gruppe von Wissenschaftlern (darunter aber keine Klimatologen), Ingenieuren, Lehrern oder auch nur Schlaumeiern im Internet bestreitet mit teilweise abstrusen Begründungen, gefälschten oder veralteten Daten und einer gehörigen Portion Wut auf die etablierte Wissenschaft den inzwischen fast einhelligen Konsens zum Klimawandel. Für diese „Leugner“ gibt es entweder gar keine Erwärmung der Erde, oder sie ist nicht vom Menschen verursacht oder einfach unschädlich. Vor allem aber, so heißt es immer wieder, sei alles noch unsicher.

Dass manche Politiker und Konzern-Lobbyisten ein Interesse an der Leugnung des Klimawandels haben, ist nicht weiter verwunderlich. Ich denke aber, der beste Freund des menschengemachten Klimawandels ist der, den wir Konsument nennen und der sich gerne einen in die Tasche lügt. Stichwort: Die Mär vom klimaneutralen Flug:

Einfach bei atmosfair.de ein paar Euro für „klimaneutrales Fliegen“ (!) bezahlen und schon darf man mit gutem Gewissen in die Maschine von Berlin nach Malaga steigen und die 1,14 Tonnen Ausstoß des „Klimakillers“ Kohlendioxid vergessen. Denn von der Klimagebühr bei atmosfair (man schaue sich das obige Foto auf der Startseite an!) werden ja klimaneutrale Projekte in aller Welt finanziert. Die Idee dieser sogenannten offset-agencies (mehr als 40 weltweit, nicht alle seriös) ist an sich nicht schlecht, aber eines sollte trotz guter Absichten nicht vergessen werden: Fliegen und gutes Gewissen schliessen sich aus.

Was meine Stimmung zum Thema Klimawandel angeht, bin ich eher pessimistisch, was nicht bedeutet, dass ich die derzeitige Lage dramatisiere. Aber da sind eben Tatsachen, die nicht optimistisch stimmen: Dass die Flüge seit 1990 jährlich um 5 Prozent zunehmen, dass die Autoindustrie zum großen Teil immer noch auf Spritfresser setzt, dass es in Deutschland immer noch kein Tempolimit gibt, dass große Nationen einen rasanten Wirtschaftsaufschwung erleben, dass die Ziele des Kyoto-Protokolls nur schleppend erreicht werden, dass die Atmosphäre zwar unvorstellbar groß ist, aber nicht ewig die immensen Schadstoffe kompensieren kann…

Was mich dagegen nur wenig beeinflusst, sondern manchmal verärgert, dass sind die reisserischen Schlagzeilen von „Nachrichtenmagazinen“ und -sendungen, die zunehmend jede Unwetterkatastrophe mit apokalyptischen Untertönen schreiben. Unbeeinflußt bleibe ich davon indess nicht ganz, wie manche plötzliche Phantasie eines dauerhaft zerstörisches Wetters, dem ich hilflos ausgeliefert sei, zeigt. Aber wenn solche nicht ganz unrealistischen Ängste und Befürchtungen nicht das Handeln lähmen oder eine Nach mir die Sintflut Mentalität bewirken, können sie ein selbstkritisches Handeln fördern, das eben nicht alles denen da oben überläßt. Wie sieht es bei Euch aus?

7 Kommentare . Trackbacken . Thema: Klimawandel,Konsumkritik

Ohne Verzicht auf Vermögenszuwachs…

27.01.07 um 13:52 von Ralph

Interessanten Buchtipp auf ogee.de gefunden: Globale Maßlosigkeit – Der (un)aufhaltbare Zusammenbruch des weltweiten Mittelstands von Huschmand Sabet. Wenn die Superreichen noch reicher würden, sei der weltweite Mittelstand bedroht. In einem anderen, ganz hervorragenden Buch, das ich bald ausführlich vorstellen möchte, habe ich dazu ein paar Sätze vom Entdecker der Barfuß-Ökonomie und Träger des Alternativen Nobelpreises Manfred Max-Neef gelesen, die mir aus der Seele sprechen:

Zweihundertachtzig Menschen, Individuen, deren Namen wir kennen, haben ein Vermögen, was so groß ist, wie das, über daß zweieinhalb Milliarden Menschen verfügen. Das ist doch ungeheuerlich! Wie kann ein System funktionieren, in dem so etwas möglich ist? Ein Mensch wie Bill Gates ist in fünf Jahren, wenn man die Tendenz seiner Gewinne fortschreibt, so reich, wie das ganze Bruttosozialprodukt von England. Ein Mensch, eine Person! Das ist heller Wahnsinn. Das ist absurd, das kann so nicht weitergehen. Und niemand kontrolliert das. Jeden Tag werden Tausende von Milliarden Dollars in die Wechselkurse spekuliert. Das kann für arme Länder eine Tragödie bedeuten. Und wer profitiert davon? Nur die Spekulanten.

Quelle: Aus dem Interview „Wir müssen Moskitos sein!“ mit Manfred Max-Neef in Projekte der Hoffnung hrsg. von Geseko von Lüpke und Peter Erlenwein, oekom Verlag 2006

. Trackbacken . Thema: Globalisierung,Wirtschaftspolitik

Ohne Verzicht auf Vermögenszuwachs…

27.01.07 um 13:52 von Ralph

Interessanten Buchtipp auf ogee.de gefunden: Globale Maßlosigkeit – Der (un)aufhaltbare Zusammenbruch des weltweiten Mittelstands von Huschmand Sabet. Wenn die Superreichen noch reicher würden, sei der weltweite Mittelstand bedroht. In einem anderen, ganz hervorragenden Buch, das ich bald ausführlich vorstellen möchte, habe ich dazu ein paar Sätze vom Entdecker der Barfuß-Ökonomie und Träger des Alternativen Nobelpreises Manfred Max-Neef gelesen, die mir aus der Seele sprechen:

Zweihundertachtzig Menschen, Individuen, deren Namen wir kennen, haben ein Vermögen, was so groß ist, wie das, über daß zweieinhalb Milliarden Menschen verfügen. Das ist doch ungeheuerlich! Wie kann ein System funktionieren, in dem so etwas möglich ist? Ein Mensch wie Bill Gates ist in fünf Jahren, wenn man die Tendenz seiner Gewinne fortschreibt, so reich, wie das ganze Bruttosozialprodukt von England. Ein Mensch, eine Person! Das ist heller Wahnsinn. Das ist absurd, das kann so nicht weitergehen. Und niemand kontrolliert das. Jeden Tag werden Tausende von Milliarden Dollars in die Wechselkurse spekuliert. Das kann für arme Länder eine Tragödie bedeuten. Und wer profitiert davon? Nur die Spekulanten.

Quelle: Aus dem Interview „Wir müssen Moskitos sein!“ mit Manfred Max-Neef in Projekte der Hoffnung hrsg. von Geseko von Lüpke und Peter Erlenwein, oekom Verlag 2006

. Trackbacken . Thema: Globalisierung,Wirtschaftspolitik

Probleme des „korrekten Konsumenten“

24.01.07 um 12:59 von Ralph

Letzte Woche im taz-Dossier über Konsum und „Konsumrevolution“: Bernhard Pötter (siehe auch das Konsumblog-Interview Die Moral des Kunden und was er braucht fordert Gutmenschen, kauft besser!. Ein provozierender Text, der mir aus der Seele spricht und fragt, wie man „Macht und Moral vereinen“ könne. Und wer findet sich nicht mehr oder weniger in der folgenden Charakterisierung wieder, falls man das nötige Kleingeld hat, um sich einen Lebensstil zwischen konsumkritischer Moral, guten Ausreden und gescheitertem Anspruch leisten zu können?

Der „korrekte Konsument“ ist vor allem korrekt in seiner Haltung – weniger in seinen Taten. Er und sie verfügen über genügend Bildung, Zeit und Geld, um sich Sorgen zu machen darüber, was ihr Lebensstil anrichtet. Ihren Lebensstil ändert das aber nicht. Es sind zum Beispiel in Deutschland ausgerechnet die Wähler der Grünen, die Förderer von Greenpeace und die LeserInnen der taz, die am meisten mit dem Flugzeug unterwegs sind – die postmaterielle, akademische obere Mittelschicht, die sehr genau über den Klimawandel Bescheid weiß. Mit schlechtem Gewissen steigen wir (die Zeit ist knapp zwischen Job, Familie und Freunden) in den Billigflieger zwischen Berlin und Paris – auch der Autor dieses Textes. Wir leben mit immer weniger Menschen in immer größeren Häusern. Wir buchen unseren Urlaub nicht etwa pauschal in Touristenzentren, sondern ziehen unsere Spuren durch die letzten unberührten Gegenden der Erde. Wir verfügen über genug finanzielle Rücklagen, um uns Gedanken darüber zu machen, wer mit unserem Geld wohl was anrichtet – lassen unser Geld dann aber im Zweifel doch von der Deutschen Bank verwalten. Manchmal schaffen wir es sogar, unser Auto abzuschaffen. Wir haben ja immer noch den Zweitwagen.

In der gleichen Ausgabe fand ich auch einige Beiträge über die Konsumfalle Supermarkt – Zum Shoppen verführt – und vier Artikel über Irrtümer, die wohl zu den populärsten gehören.

5 Kommentare . Trackbacken . Thema: Umweltschutz

Pack die Tortilla in den Tank…

23.01.07 um 15:15 von Ralph

Laut sp0n wird in Mexico der Mais fuer des Mexikaners Hauptnahrungsmittel, die Tortilla, knapp, bzw unbezahlbar.
Grund: der einheimische Mais wird zu hohen Preisen ins Ausland verkauft, um dort Biotreibstoff daraus herzustellen.

5 Kommentare . Trackbacken . Thema: Energie,Ernährung,Globalisierung,Klimawandel,Umweltschutz,Wirtschaftspolitik

Buchtipp: Über Ernährung und Lebensmittelskandale

23.01.07 um 13:34 von Ralph

Fool for Food kritisch über das Buch Die Joghurtlüge – Die unappetitlichen Geschäfte der Lebensmittelindustrie – via Kochwerkstatt.

. Trackbacken . Thema: Buch und Film,Ernährung

Buchtipp: Über Ernährung und Lebensmittelskandale

23.01.07 um 13:34 von Ralph

Fool for Food kritisch über das Buch Die Joghurtlüge – Die unappetitlichen Geschäfte der Lebensmittelindustrie – via Kochwerkstatt.

. Trackbacken . Thema: Buch und Film,Ernährung

Anfrage an die Konsumblog-Autoren

23.01.07 um 13:20 von Ralph

Zum Verbrauchertag ist eine Radiosendung geplant (noch nicht in trockenen Tüchern), in der auch über das Konsumblog und das Konsumverhalten seiner Autoren berichtet werden soll. Hätte jemand von Euch – aus dem süddeutschen Raum kommend – Lust, dafür ins Studio zu gehen. Alles weitere per Email, bitte schreiben an: 45@segert.net – Danke!

3 Kommentare . Trackbacken . Thema: In eigener Sache

Müllermilch

19.01.07 um 10:15 von Ralph

Zur Zeit geht per Email wieder Eine schöne Geschichte über Herrn Müller durch das Netz. Gelegenheit, auf einen Wikipedia-Artikel namens Müllermilch hinzuweisen, der kurz und knapp über die 70 Millionen Euro Subventionen für den indirekten Arbeitsplatzabbau und die Gen-Milch des „Milchimperiums“ berichtet. Ein weiterführender Link unter anderen: Hier werden sie gemolken. Was mir fehlt, sind Informationen, die belegen, dass der Herr Müller die NPD mit viel Geld unterstütze.

5 Kommentare . Trackbacken . Thema: Ernährung

Müllermilch

19.01.07 um 10:15 von Ralph

Zur Zeit geht per Email wieder Eine schöne Geschichte über Herrn Müller durch das Netz. Gelegenheit, auf einen Wikipedia-Artikel namens Müllermilch hinzuweisen, der kurz und knapp über die 70 Millionen Euro Subventionen für den indirekten Arbeitsplatzabbau und die Gen-Milch des „Milchimperiums“ berichtet. Ein weiterführender Link unter anderen: Hier werden sie gemolken. Was mir fehlt, sind Informationen, die belegen, dass der Herr Müller die NPD mit viel Geld unterstütze.

. Trackbacken . Thema: Ernährung

Verlassen und verloren bei der Kreditberatung

17.01.07 um 11:35 von Ralph

Immer mal wieder hört man was über die hervorragende Beratungsleistung deutscher Banken. Ein aktuelles Fazit hat die taz reisserisch unter der Headline „Beraterbank“ zockt Kunden ab auf den Punkt gebracht. Die Stiftung Warentest hat herausgefunden, dass bei der Kreditberatung teure Kreditversicherungen untergeschoben werden. 7 Berater von 13 hielten sich zudem „nicht an das Bundesdatenschutzgesetz und fragten heimlich bei der Schufa an“.

1 Kommentar . Trackbacken . Thema: Verbraucherschutz

Die Pharmaindustrie und schädliche Medikamente

12.01.07 um 11:49 von Ralph

John Rengen, Autor des Buches Rubio spuckt’s aus. A Story from a Pharma-Insider, war 35 Jahre in der Pharmaindustrie tätig, unter anderem bei dem Pahrmariesen Eli Lilly, der mit dem umstrittenen Antidepressivum Prozac Milliardengewinne einfährt (in Deutschland heißt die Pille Fluctin, der umstrittene Wirkstoff Fluoxetin). In dem oben erwähnten Buch rechnet der ehemalige Geschäftsführer von Eli Lilly in Schweden mit der Pharmabranche ab. In einen Interview mit der taz berichtet er folgendes über Bestechungsvorbereitungen, um für Prozac in Schweden eine Zulassung zu erreichen:

Die Methoden, die ich anwandte. Sie waren damals jedenfalls in Schweden neu. Es war schlicht Bestechung. Ich schloss so etwas wie Freundschaft mit sogenannten Meinungsbildnern oder solchen, die es werden wollten. Und ich brachte sie dazu, Nebenwirkungen in ihren Beiträgen zu unterdrücken und ein positives Votum abzugeben.

Ein leichter Job?

Nicht unbedingt. Aber ich habe Pharmakologie und Medizin studiert. War in jungen Jahren Popsänger und meine Lehrjahre bei Lilly hatten mich zum Genießer gemacht. Ich habe die Fachleute, die wir brauchten, geprofiled: Hobbys, Kinder, Vorlieben der Frau. Das ließ sich alles bedienen. Ich arrangierte Gourmetessen in Nobelrestaurants, am Nebentisch die schwedische Königin, exquisite Weinproben, Symposien in den Tropen. Schweden mögen das. Der Winter ist lang und dunkel. Ich fand die richtigen Jazzkeller, sang auch mal selbst und bezahlte die Prostituierten.

Floss auch Geld?

Ja, auch. Aber in Schweden war die Vermögenssteuer extrem hoch. Da muss man sich auch andere Sachen einfallen lassen. Eine Studie mit guten Resultaten, die hat uns damals etwa 10.000 Dollar gekostet. Das war vor mehr als zwanzig Jahren eine Menge Geld. Und eigentlich nur das Taschengeld, denn der Herr Professor bekam von Lilly auch noch die Zusage für eine Langzeitstudie. Das bringt Geld in die Klinik und nützt dem Renommee.

Kennen Sie das Ergebnis der Studie?

Nein, ich gehe davon aus, dass es keine gibt.

Wurde Fluoxetin in Schweden zugelassen?

Nie.

Dann waren Sie also erfolglos?

Nein, denn ich habe für einen guten Preis gesorgt. Der war dann maßgeblich für andere Länder. Das läuft in Schweden nämlich so: Bereits vor der endgültigen Zulassung verhandelt die Pharmafirma mit der Wirtschaftsbehörde über den zukünftigen Preis des Präparats. Mit 1,20 US-Dollar pro Tagesdosis von 20 Milligramm in der Achtzigerjahren, fiel der ansehnlich aus. Eine gute Verhandlungsbasis für den Konzern auf dem Weltmarkt.

Deutschlandfunk: Neue Pillen für den neuen Menschen

3 Kommentare . Trackbacken . Thema: Gesundheit

Die Pharmaindustrie und schädliche Medikamente

12.01.07 um 11:49 von Ralph

John Rengen, Autor des Buches Rubio spuckt’s aus. A Story from a Pharma-Insider, war 35 Jahre in der Pharmaindustrie tätig, unter anderem bei dem Pahrmariesen Eli Lilly, der mit dem umstrittenen Antidepressivum Prozac Milliardengewinne einfährt (in Deutschland heißt die Pille Fluctin, der umstrittene Wirkstoff Fluoxetin). In dem oben erwähnten Buch rechnet der ehemalige Geschäftsführer von Eli Lilly in Schweden mit der Pharmabranche ab. In einen Interview mit der taz berichtet er folgendes über Bestechungsvorbereitungen, um für Prozac in Schweden eine Zulassung zu erreichen:

Die Methoden, die ich anwandte. Sie waren damals jedenfalls in Schweden neu. Es war schlicht Bestechung. Ich schloss so etwas wie Freundschaft mit sogenannten Meinungsbildnern oder solchen, die es werden wollten. Und ich brachte sie dazu, Nebenwirkungen in ihren Beiträgen zu unterdrücken und ein positives Votum abzugeben.

Ein leichter Job?

Nicht unbedingt. Aber ich habe Pharmakologie und Medizin studiert. War in jungen Jahren Popsänger und meine Lehrjahre bei Lilly hatten mich zum Genießer gemacht. Ich habe die Fachleute, die wir brauchten, geprofiled: Hobbys, Kinder, Vorlieben der Frau. Das ließ sich alles bedienen. Ich arrangierte Gourmetessen in Nobelrestaurants, am Nebentisch die schwedische Königin, exquisite Weinproben, Symposien in den Tropen. Schweden mögen das. Der Winter ist lang und dunkel. Ich fand die richtigen Jazzkeller, sang auch mal selbst und bezahlte die Prostituierten.

Floss auch Geld?

Ja, auch. Aber in Schweden war die Vermögenssteuer extrem hoch. Da muss man sich auch andere Sachen einfallen lassen. Eine Studie mit guten Resultaten, die hat uns damals etwa 10.000 Dollar gekostet. Das war vor mehr als zwanzig Jahren eine Menge Geld. Und eigentlich nur das Taschengeld, denn der Herr Professor bekam von Lilly auch noch die Zusage für eine Langzeitstudie. Das bringt Geld in die Klinik und nützt dem Renommee.

Kennen Sie das Ergebnis der Studie?

Nein, ich gehe davon aus, dass es keine gibt.

Wurde Fluoxetin in Schweden zugelassen?

Nie.

Dann waren Sie also erfolglos?

Nein, denn ich habe für einen guten Preis gesorgt. Der war dann maßgeblich für andere Länder. Das läuft in Schweden nämlich so: Bereits vor der endgültigen Zulassung verhandelt die Pharmafirma mit der Wirtschaftsbehörde über den zukünftigen Preis des Präparats. Mit 1,20 US-Dollar pro Tagesdosis von 20 Milligramm in der Achtzigerjahren, fiel der ansehnlich aus. Eine gute Verhandlungsbasis für den Konzern auf dem Weltmarkt.

Deutschlandfunk: Neue Pillen für den neuen Menschen

. Trackbacken . Thema: Gesundheit

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